04. Jun 2004 Frauenchor Konzertreise nach Berlin

FC_Berlin

Berlin-Reise des Liederkranz-Frauenchors

Zum 20 Jubiläum des Frauenchors unternahmen wir vom 4. bis 6. Juni 2004 eine Busreise nach Berlin.
Begleitet wurden wir von unserem Chorleiter Roman Zöller und natürlich von Erich Venuleth, der die Reise hervorragend organisiert hatte.
Diese Konstellation, 2 Männer mit 33 Frauen, machte unserem Busfahrer anfangs große Sorgen.
Los ging die Reise am Freitag um früh 6.00 Uhr in Zellhausen. Nachdem auch die Seligenstädter eingesammelt waren, fuhren wir über Hanau auf die Autobahn Richtung Giessen und weiter über Herleshausen und Erfurt Richtung Berlin.
Erich berichtete uns, was ihn dazu veranlasst hatte, mit uns diese Fahrt zu unternehmen und erklärte uns den weiteren Verlauf.
Eine Pause legten wir pünktlich um 10.00 Uhr auf einem Rastplatz kurz hinter Jena ein.
Vor der Weiterfahrt hatten wir für Erich eine Überraschung parat.
Margit Schlett hatte eine Rede vorbereitet, die sie launig vortrug, und zusammen mit Ulrike zu dem Schlager „Wir zwei fahren irgendwo hin“ einen neuen Text geschrieben. So sang der Frauenchor: „Mit Erich fahrn wir nach Berlin“.
Spätestens jetzt hatte unser Fahrer Walter Koch, von „Rhein-Main-Kinzig-Reisen“ alle Bedenken vergessen. Während wir von seiner Mitfahrerin Heidrun verpflegt wurden,
verlief die weitere Reise planmäßig und um 13.00 Uhr waren wir auf dem Avus in Berlin.
Um 14.00 Uhr nahmen wir am „Bahnhof Zoo“ unsere Reiseleiterin Helga auf, die uns in den nächsten zwei Stunden auf unserer „Sightseeing-Tour“ durch Berlin begleitete.
Sie machte das in ihrem „Berliner Dialekt“, auf eine so charmante Art, dass die zwei Stunden wie im Flug vergingen. Sie berichtete über Prominente und erzählte uns Anekdoten über sie, so, als ob ihr alle persönlich bekannt wären. Nebenbei erhielten wir, passend zu den alten, neuen und wieder hergestellten Gebäuden, Strassenzügen und Stadtteilen, Einblicke in die Geschichte Berlins.
„Dat hat se jut jemacht, wat Helga is.“
Anschließend brachte uns unser Busfahrer in unser Hotel. Es befand sich in Sichtweite der Charité in der Invalidenstrasse. Eine gute Wahl. Innerhalb kürzester Zeit hatten fast alle mitgereisten invaliden Damen keine Schmerzen mehr.
Nach dem Einchecken blieben uns knappe zwei Stunden bis zum Beginn der Revue im nahen Friedrichstadt-Palast.
Wir hatten hervorragende Plätze und durften eine wundervolle Show genießen. Nach zwei Stunden Tanz, Gesang, Akrobatik in wundervollen Kostümen machte es fast gar nichts, dass wir im Regen zum Hotel zurück laufen mussten.
Damit ging ein ereignisreicher Tag zu Ende.
Den Samstag Vormittag hatten wir dann zur freien Verfügung. Wir fuhren alle per Bus zum „Bahnhof Zoo“ und in verschiedenen Gruppen verteilten wir uns in der Innenstadt. Einige besuchten das Sony-Center, andere die Museumsinsel und wieder andere machten eine Shopping-Tour durch die Warenhäuser und besuchten Europa-Hochhaus, Kadewe und Lafayete.
Am Nachmittag waren alle zufrieden wieder im Hotel, um gegen 15.00 Uhr erneut in den Bus zu steigen. Diesmal ging es zum ehemaligen Reichstags-Gebäude.
Wir erklommen die Aussichtsplattform in der neu gebauten Glaskuppel des Architekten Foster und hatten, bei strahlendem Sonnenschein, einen herrlichen Rundblick über Berlin.
Anschließend nahmen wir auf der Besuchertribüne im Plenarsaal des Bundestags platz und hörten einen interessanten Vortrag über die Arbeit unserer Volksvertreter. Interna zu dem Verhältnis der verschiedenen Parteien unter- und miteinander, sowie zu, mit, oder gegen öffentliche Medien und Lobbyisten, würzten den Bericht. Trotzdem fielen einigen Damen aus unserer Gruppe die Augen zu. Ob es den Mitgliedern des Bundestags manchmal ähnlich geht, wurde uns nicht mitgeteilt.
Zurück zum Hotel fuhren wir vorbei an Kanzleramt und „Lehrter Bahnhof „. Letzterer ist noch eine riesige Baustelle, soll aber zukünftig Berlins Hauptbahnhof werden. Ein neuer Autobahnanschluß wird gleich mitgebaut. Tags zuvor hatte uns unsere Führerin auf ein altes Gebäude hingewiesen mit folgenden Worten: „..und nun links, da lachste dich tot, das Jebäude in diesem schönen Sch..schimmeljrün.“
Wie lange dieses Bahngebäude inmitten all dieser neuen Glas- u. Betonpracht wohl noch stehen bleibt?
Den Abend verbrachten wir alle zusammen in gemütlicher Runde im Restaurant des Hotels.
Am Sonntag stand, nach dem Frühstück, das Auschecken auf dem Programm. Dann ging´s im Bus über Landstrassen nach Biesenthal. Kaum raus aus der Großstadt Berlin, fühlt man sich in eine andere Welt versetzt. Entlang der Landstrasse gibt es kleine Dörfer, denen man die DDR-Vergangenheit immer noch ansieht. Biesenthal ist nur 35 km von Berlin entfernt, trotzdem hat man nicht den Eindruck, im Einzugsgebiet unserer Hauptstadt zu sein.
Auf dem Weg in diese Gemeinde erzählte uns Erich, was ihn mit Biesenthal verbindet.
Er berichtet uns von dem kleinen nierenkranken Jungen, den er noch zu DDR-Zeiten über die Sport-Bild kennen gelernt und eine Patenschaft für ihn übernommen hatte. Wie der Junge über mehrere Jahre mehrmals die Woche nach zur Dialyse nach Berlin fuhr und endlich, kurz nach der Wende, eine Spenderniere für ihn gefunden werden konnte. Leider überlebte der Junge die Transplantation nicht lange. Nach einem Jahr starb dann auch noch der Vater an Krebs. Er hinterließ eine Frau und einen weiteren Sohn, der noch nicht erwachsen, trotzdem das Radio- und Fernsehgeschäft des Vaters weiterführen musste.
Diese beiden leben in Biesenthal und Erich hat immer noch Kontakt zu ihnen. Wir waren alle sehr gerührt.
Nach einer knappen Stunden Fahrt kamen wir in Biesenthal an und wurden freundlich vom katholischen Pfarrer begrüßt. Wir sangen während des Gottesdienstes in der Pfarrkirche St. Marien und anschließend gab es einen kleinen Umtrunk im Pfarrgarten. Wir brachten noch einige Volkslieder zu Gehör und bekamen vielen herzlichen Applaus. Dann ging es zum gemeinsamen Mittagessen. Wir sprachen mit der Mutter des Jungen und erfuhren, dass zu DDR-Zeiten der einzige Arbeitgeber in dem 3000 Einwohner-Ort eine Fabrik war, die Arbeitsplatten für Einbauküchen nach Russland exportierte. Nach Perestrojka gab es diesen Kunden nicht mehr und das Werk wurde geschlossen. Auch in Biesenthal gibt es natürlich viele Arbeitslose und viele gehen weg nach Berlin oder in den Westen.
Wir stiegen, nach dem reichhaltigen Mittagessen, in den Bus und fuhren, ebenfalls Richtung Westen, nach Hohen Neuendorf. Dort steht der Nachbau eines Tempels in Peking, die Himmels-Pagode. Im Inneren befindet sich, über drei Stockwerke, ein Restaurant, das nach chinesischem Vorbild eingerichtet ist. In diesem fernöstlichen Ambiente nahmen wir unseren Kaffee.
Dann ging es entgültig weiter Richtung Heimat.
Die Heimfahrt verlief ruhig und gegen Mitternacht wurden wir von unseren Lieben in Zellhausen in Empfang genommen.
Vorher bedankten wir uns natürlich ganz herzlich bei unserem Busfahrer Walter, sowie bei seiner Begleiterin Heidrun für die angenehme Busfahrt.
Ein herzlicher Dank geht an Roman. Ohne ihn hätten wir gar nicht fahren können.
Unser besonderer Dank gilt natürlich unserm Fan Erich, der alles so toll organisiert und mit uns durchgeführt hat.
Wir werden noch lange von dieser Fahrt zehren.